Das Gesetz der Europäischen Union über künstliche Intelligenz (EU AI Act) ist auf dem besten Weg, ein globaler Maßstab für die Regulierung von KI zu werden. Als weltweit erster umfassender Rechtsrahmen für KI wird er weit über die EU-Grenzen hinaus Auswirkungen haben, vor allem auf die Schweiz, den unmittelbaren Nachbarn. Die Schweiz ist zwar kein Mitglied der EU, doch ihre wirtschaftliche und regulatorische Ausrichtung auf den Block bedeutet, dass Schweizer Unternehmen und Institutionen es sich nicht leisten können, diese bahnbrechende Gesetzgebung zu ignorieren.
Das EU-KI-Gesetz verstehen: Eine kurze Zusammenfassung
Im Kern soll das EU-KI-Gesetz sicherstellen, dass KI-Systeme, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht und in der EU eingesetzt werden, sicher, transparent und diskriminierungsfrei sind und die Grundrechte achten. Er verfolgt einen risikobasierten Ansatz und kategorisiert KI-Systeme in vier Stufen:
- Unannehmbares Risiko: KI-Systeme, die eine eindeutige Bedrohung für die Grundrechte darstellen (z. B. soziales Scoring durch Regierungen), sind verboten.
- Hohes Risiko: Systeme, die in kritischen Sektoren wie dem Gesundheitswesen, dem Verkehrswesen, der Strafverfolgung und der Arbeitswelt eingesetzt werden, unterliegen strengen Anforderungen in Bezug auf Datenqualität, menschliche Aufsicht, Transparenz, Cybersicherheit und Konformitätsbewertungen.
- Begrenztes Risiko: KI-Systeme mit besonderen Transparenzpflichten (z. B. Chatbots, Deepfakes).
- Minimales Risiko: Die überwiegende Mehrheit der KI-Systeme fällt in diese Kategorie und unterliegt keinen besonderen Verpflichtungen, die über die bestehenden Rechtsvorschriften hinausgehen.
Die einzigartige Position der Schweiz: Kein EU-Mitglied, aber tief verbunden
Die Beziehungen der Schweiz zur EU sind komplex und durch eine Reihe bilateraler Abkommen gekennzeichnet, in denen die Gesetze und Normen der Schweiz häufig an die der Union angepasst werden. Dieser Ansatz des "Übernehmens und Anpassens" hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass wichtige EU-Vorschriften, insbesondere solche, die sich auf Handel und Daten auswirken, Eingang in das Schweizer Recht gefunden haben oder von den in der EU tätigen Schweizer Unternehmen de facto übernommen wurden.
Während die Schweiz derzeit ihre eigene KI-Strategie und einen potenziellen Regulierungsrahmen entwickelt, wird das KI-Gesetz der EU zweifelsohne als wichtiger Bezugspunkt dienen.
Direkte und indirekte Auswirkungen auf die Schweiz
Extraterritoriale Reichweite: Das EU-AI-Gesetz hat einen extraterritorialen Anwendungsbereich. Es gilt für:
- Anbieter, die KI-Systeme in der EU in Verkehr bringen oder zur Verfügung stellen, unabhängig davon, wo der Anbieter seinen Sitz hat (z. B. ein Schweizer Unternehmen, das KI-Lösungen an EU-Kunden verkauft).
- Betreiber von KI-Systemen mit Sitz in der EU.
- Anbieter und Nutzer von KI-Systemen mit Sitz in einem Drittland, wenn der von dem System erzeugte Output in der EU verwendet wird.
Das bedeutet, dass jedes Schweizer Unternehmen, das KI-Dienste für Kunden oder Nutzer in der EU entwickelt, einsetzt oder anbietet direkt in den Geltungsbereich des Gesetzes fallen, insbesondere bei "risikoreichen" KI-Systemen.
Marktzugang und Wettbewerbsfähigkeit: Für Schweizer Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen in die EU exportieren, ist die Einhaltung von EU-Normen oft eine Voraussetzung für den Marktzugang. Die Nichteinhaltung des EU-AI-Gesetzes könnte die Wettbewerbsfähigkeit eines Schweizer Unternehmens auf dem riesigen EU-Markt erheblich beeinträchtigen.
"Brüsseler Effekt" und Harmonisierungsdruck: Der "Brüsseler Effekt" beschreibt, wie die Regulierungsmacht der EU globale Standards beeinflusst. Da das EU-KI-Gesetz einen neuen globalen Maßstab setzt, erzeugt es Druck auf andere Länder, einschließlich der Schweiz, ihre eigenen Vorschriften anzugleichen, um eine regulatorische Fragmentierung zu vermeiden und den internationalen Handel zu erleichtern. Die Schweizer Gesetzgeber werden den Ansatz der EU bei der Ausarbeitung ihrer eigenen KI-Gesetzgebung sorgfältig berücksichtigen.
Angleichung an den Datenschutz: Die Schweiz verfügt bereits über strenge Datenschutzgesetze, darunter das überarbeitete Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), das viele Grundsätze mit der EU-DSGVO teilt. Da eine robuste Data Governance ein Eckpfeiler des EU-KI-Gesetzes ist, werden Schweizer Unternehmen wahrscheinlich einige bestehende Synergien finden, aber neue KI-spezifische Datenanforderungen müssen berücksichtigt werden.
Auswirkungen auf die Lieferkette: Auch Schweizer Unternehmen, die nicht direkt KI in die EU verkaufen, könnten betroffen sein, wenn ihre Partner oder Lieferanten in der EU KI-Systeme einsetzen, die unter das Gesetz fallen. Die Einhaltung des Gesetzes könnte zu einer vertraglichen Verpflichtung in der gesamten Lieferkette werden.
Sich auf die Zukunft vorbereiten: Was Schweizer Unternehmen tun sollten
Schweizer Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, sollten sich proaktiv auf die Umsetzung des EU-KI-Gesetzes vorbereiten:
- Exposition bewerten: feststellen, ob ihre KI-Systeme oder ihre Nutzung von KI (z. B. durch Partner oder Kunden) in den Anwendungsbereich des Gesetzes fallen, insbesondere in Bezug auf "risikoreiche" Anwendungen.
- Verstehen Sie die Anforderungen: sich mit den Verpflichtungen für die verschiedenen Risikokategorien vertraut zu machen, wobei der Schwerpunkt auf Transparenz, Data Governance, menschlicher Aufsicht und Risikomanagement liegt.
- Entwicklung interner Richtlinien: Umsetzung interner Richtlinien und Verfahren zur Gewährleistung der Einhaltung der Vorschriften, einschließlich Konformitätsbewertungen für risikoreiche KI.
- Überwachen Sie die Schweizer Entwicklungen: Bleiben Sie auf dem Laufenden, wie sich die KI-Strategie der Schweiz und die potenzielle Gesetzgebung als Reaktion auf das EU-KI-Gesetz entwickeln.
- Lassen Sie sich von Experten beraten: Wenden Sie sich an Rechts- und Technikexperten, die auf KI-Regulierung spezialisiert sind, um die Komplexität zu bewältigen.
Schlussfolgerung
Das KI-Gesetz der EU ist ein entscheidender Moment für die Steuerung der künstlichen Intelligenz. Die Schweiz ist zwar nicht direkt an das EU-Recht gebunden, aber aufgrund ihrer verflochtenen Wirtschaft und des engen regulatorischen Dialogs wird das Gesetz einen tiefgreifenden Einfluss haben. Ein proaktives Engagement und eine strategische Vorbereitung werden für Schweizer Unternehmen entscheidend sein, um ihren Wettbewerbsvorteil zu wahren, verantwortungsvolle Innovationen zu gewährleisten und die entstehende globale KI-Regulierungslandschaft erfolgreich zu navigieren.
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